Flüchtlingskrise

Kirchliches Engagements

Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zur Flüchtlingskrise
Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge

 

I. Die aktuelle Situation


In unseren Tagen haben Flucht und Vertreibung weltweit ungekannte Ausmaße erreicht (….). In der aktuellen Situation erleben wir in unserem Land ein beeindruckendes Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft. Zugleich sind vielerorts die Anzeichen der Ratlosigkeit und Überforderung unverkennbar. Nicht selten wird in der öffentlichen Debatte auch ein rauer Tonfall angeschlagen, der den Anliegen der schutzsuchenden Menschen in keiner Weise gerecht wird. Insbesondere die Zunahme an fremdenfeindlichen Gewalttaten gibt Anlass zu großer Sorge. Die gegenwärtigen Fluchtbewegungen stellen Deutschland und Europa vor neue Herausforderungen, die nur mit einer tragfähigen ethischen Orientierung zu bewältigen sind. Die Kirche weiß sich in dieser schwierigen Situation auf besondere Weise gefordert. Als Christen setzen wir uns mit Entschiedenheit für die Anliegen der Flüchtlinge und Asylsuchenden ein. Dabei haben wir immer auch das Wohl der gesamten Gesellschaft und insbesondere die Bedürfnisse der benachteiligten Menschen in unserem Land im Blick(…)

 

II. Grundlagen des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge


1. Die Fürsorge für Flüchtlinge und Migranten gehört zum Selbstverständnis der Kirche. Unsere christliche Identität tritt gerade dann besonders deutlich zutage, wenn jede Person, die in unserem Land Zuflucht sucht, menschenwürdig behandelt wird.
2. Die kirchliche Flüchtlingshilfe vollzieht sich auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens. Sie zeichnet sich durch die Vielfalt ihrer Akteure und Kompetenzen aus.
3. Das kirchliche Engagement für Flüchtlinge legt einen besonderen Fokus auf menschliche Begegnung und persönliche Begleitung. Gleichzeitig gilt es anzuerkennen, dass die Kirche nur einer von mehreren relevanten Akteuren im Bereich der Flüchtlingshilfe ist.
4. Die Kirche vertritt die Anliegen aller benachteiligten Menschen. Das kirchliche Engagement für die vielen Menschen, die an die Ränder unserer Gesellschaft gedrängt werden, wird mit unverminderter Energie fortgesetzt.
5. Die Integration von Menschen mit anderer kultureller oder religiöser Prägung stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die Kirche kennt ihre besondere Verantwortung für das Gelingen gesellschaftlicher Integrationsprozesse.

 

III. Themenfelder des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge


1. Begleitung, Qualifizierung und Stärkung des ehren- und hauptamtlichen Engagements in der kirchlichen Flüchtlingshilfe
2. Seelsorge in Offenheit
3. Wohnraum
4. Gesellschaftliche Teilhabe durch Arbeit – Ausbildungsstellen und berufliche Perspektiven für Flüchtlinge
5. Gesellschaftliche Teilhabe durch Bildung – Förderung von Flüchtlingen
6. Gesundheitsversorgung und psychosoziale Betreuung
7. Begleitung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
8. Besondere Sensibilität für geflüchtete Frauen
9. Bewahrung geflüchteter Christen von Bedrängung und Ausgrenzung in Flüchtlingsunterkünften in Deutschland
10. Interreligiöser und interkultureller Dialog – Kooperationen mit muslimischen und jüdischen Akteuren in der Flüchtlingshilfe.
11. Internationale Flüchtlingshilfe
12. Politische Positionierungen in Fragen von Flucht und Asyl
Die enormen Anstrengungen, die die zuständigen staatlichen Stellen in unserem Land (…) unternehmen, erfahren in der Kirche große Aner-kennung. Zugleich stellen wir Defizite(…) fest, die die gesellschaftliche Diskussion über das Flüchtlingsthema belasten (…). Da jedoch Fragen von Flucht und Asyl die ethischen Grundsätze des Christentums berühren, begleitet die Kirche politische Entwicklungen in diesem Bereich mit besonderer Aufmerksamkeit. Als Christen sind wir dazu berufen, für die Freiheit und Würde jedes Menschen einzutreten. Ausgehend von dieser Überzeugung setzen wir uns dafür ein, dass gerade in Krisenzeiten grund-legende rechtsstaatliche, humanitäre und soziale Errungenschaften ge-sichert werden. Jeder Mensch, der bei uns Zuflucht sucht, hat Anspruch auf ein faires Verfahren und eine menschenwürdige Behandlung. Dies gilt auch für jene, die nicht dauerhaft in Deutschland bleiben können (…).
Vollständiger Text auf den Internetseiten der Deutschen Bischofskonferenz