Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Heinrich Maria Janssen

Nicht die Spur eines Beweises Arbeitsgruppe hat die Missbrauchsvorwürfe gegen
Bischof Heinrich Maria Janssen geprüft

 

Ein Siebzigjähriger meldet sich beim Bistum Hildesheim, erbittet sich Verschwiegenheit und erklärt, er sei als Messdiener von Bischof Heinrich Maria Janssen sexuell missbraucht worden. Der Beraterstab von Bischof Norbert Trelle hört den Mann an, seine Darlegung ist detailreich und klingt plausibel. Man ist tief beeindruckt von dem Leid, das hier aufscheint, und zahlt dem Mann eine Anerkennungssumme: 10 000 Euro. Der Mann nimmt an, meldet sich aber bald wieder und verlangt das Fünffache. Sollte das Geld nicht kommen, werde er den „Spiegel“ informieren. Weihbischof Bongartz lehnt ab: “Wir zahlen kein Schweigegeld!“ Der „Spiegel“ bringt die Geschichte, und so beginnt im November vorigen Jahres eine Diskussion, die bis heute die Menschen umtreibt: War Bischof Heinrich Maria, dieser beliebte Oberhirte, der Gründer der Heimstatt Röderhof, in Wirklichkeit ein Missbrauchstäter? Die Wogen gehen hoch. Bischof Norbert Trelle schreibt ein Hirtenwort, das seine tiefe Betroffenheit spüren lässt. In der Öffentlichkeit wird verlangt, jegliches ehrende Andenken an Bischof Janssen, zum Beispiel Straßennamen, zu tilgen, seinen Leichnam aus der Domgruft zu entfernen. Ebenso heftig wird aber auch gefragt: Stimmt denn die ganze Geschichte überhaupt? Drei Priester unserer Diözese, denen die Sache – wie vielen anderen – keine Ruhe lässt, machen sich zusammen mit dem früheren Hildesheimer Stadtkämmerer Dr. Hermann Siemer (heute Rechtsanwalt in Münster) an die Arbeit, Licht ins Dunkel zu bringen: Die beiden Domkapitulare Klaus Funke und Wolfgang Osthaus, die beide als Bischofskapläne im Hildesheimer Bischofshaus gewohnt haben, und der heutige Pastor in Adlum, Winfried Henze, der viele Jahre Redakteur der Kirchenzeitung war. Die vierköpfige Arbeitsgruppe hat soeben einen Abschlussbericht über ihre Bemühungen vorgelegt, der im Druckhaus Köhler in Harsum erschienen ist. Das Bistum selber hat ein unabhängiges Institut in München mit der Bearbeitung der Sache beauftragt. Dieser Auftrag ist weit ausgreifend, umfasst wissenschaftliche Erforschung des Missbrauchsproblems und des Umgangs der kirchlichen Stellen mit dieser Problematik. Ergebnisse sind vor Juni nächsten Jahres nicht zu erwarten. Die Arbeitsgruppe dagegen schreibt: Unsere Bemühungen waren von Anfang an weitaus bescheidener und sind abgeschlossen. Wir fragten nur: Muss man Bischof Janssen als Missbrauchstäter ansehen, Ja oder Nein? Das Fazit der Gruppe: Auch zehn Monate nach Bekanntwerden gibt es für die Vorwürfe gegen Bischof Janssen nicht die Spur eines Beweises.


Der Abschlussbericht schildert die Arbeit der Gruppe, die vor allem in vielen Befragungen bei Menschen bestanden hat, die die damalige Situation in Dom und Bischofshaus genau kennen. Deren Antwort: Gerade durch dasAufzählen von Einzelheiten wird der Spiegelbericht unglaubwürdig, so
wissen wir z. B. genau, dass in der Domsakristei Missbrauchshandlungen
ganz unmöglich waren, weil etliche einen Schlüssel dazu hatten und ein
ständiges Kommen und Gehen herrschte. Der „Spiegel“ selber, nach
Recherchen befragt, musste zugeben: Er hat nichts Aufklärendes zu Tage
gefördert, wörtlich: „Es gibt nichts, was uns sicher macht: So war‘s oder so
war‘s nicht.“
Auch die anhaltende Diskussion im Bistum wird kurz skizziert, zum Beispiel:
War es richtig, dem Anschuldiger 10 000 Euro zu zahlen, obwohl kein
Beweis vorlag? Ein klärendes Wort bringt der Bericht zu dem Satz von
Bischof Norbert Trelle in seinem Hirtenwort, seine Berater hielten die
Schilderungen des Mannes für plausibel. Dieses Wort, so der Bericht,
besage nur eine Selbstverständlichkeit, denn ohne eine in sich „plausible
Darstellung“ hätte sich das Gremium überhaupt nicht mit der Sache befasst.
Es sei irrig, daraus ein „Schuldeingeständnis“ abzulesen. Dies könne
überhaupt immer nur ein Täter selber ablegen. In einem Rechtsstaat müsse
aber die Unschuldsvermutung gelten, solange eine Tat nicht bewiesen ist.
Deshalb sei es unzulässig, die Vorwürfe gegen Bischof Heinrich Maria
Janssen weiter öffentlich zu erheben.
Der Abschlussbericht ist zum Preis von 1,50 Euro + Versandkosten
erhältlich beim Druckhaus Köhler, Siemensstraße 1 – 3, in Harsum, Telefon
05127-902040. Winfried Henze, Pastor